Betrachtungen zum Blackout in Spanien 04/25

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Sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt ein Fazit aus den bisher bekannt gewordenen Fakten des Blackouts vom 28.04.2025  auf der iberischen Halbinsel:

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurde das Auslösen des Blackouts durch die Kombination des sehr hohen Anteils an Photovoltaik zum Zeitpunkt der großflächigen Abschaltung, des geringen Anteils an Kraftwerksleistung konventioneller Anlagen (fehlende Stabilisierung durch die Trägheit großer Schwungmassen der rotierenden Turbinen und des Generators) und der geographisch bedingten minimalen Anbindung an das Europäische Netz mit der eingeschränkten Möglichkeit der Frequenzstabilisierung über die Koppelstellen begünstigt. Zum Glück handelte es sich in Spanien/Portugal nicht um einen kompletten Blackout, sondern um die Reduktion der Leistung um ca. 2/3 der Last auf etwa 10 000 MW, so dass die Versorgung relativ schnell innerhalb eines Tages wieder vor allem mit Gaskraftwerken (grau) und Wasserkraft  (dunkelblau) sichergestellt werden konnte (Grafik: electricitymaps.com).

 

hourly electric mix

Daniel Wetzel fordert in einem Welt-Artikel vom 02.05.2025 als Reaktion auf den Blackout am 28.04.2025 ein Ausbau-Moratorium für Solarenergie in Deutschland, um Zeit für die Klärung netzsicherheitsgefährdenter Potentiale zu gewinnen. Die Bundesnetzagentur gibt in ihrem Bericht "Versorgungssicherheit Strom"  vom April 2025 für die Feststellung des Netzreservebedarfs für den Winter 2027/2028 die installierte Nennleistung von Photovoltaik-Anlagen mit 154 400 MW (154,4 GW) an, was einer Steigerung von 40 % gegenüber 2025/2026 (110,8 GW) entspricht. Es scheint bisher noch kein Nachdenken über die Auswirkungen der sog. Transformation in Deutschland einzusetzen.

In der Analyse des Winters 2024/2025 durch die Bundesnetzagentur (Bericht Versorgungssicherheit Strom Winter 2025/2026) wurde auf den hohen Anteil an Redispatchleistung hingewiesen:

An 112 von 197 Tagen musste Redispatchleistung durch deutsche Netzreservekraftwerke angefordert werden. Zusätzlich wurde an 33 Tagen die Kapazitätsreserve eingesetzt. Im Vergleich zu früheren Betriebszeiten sind diese Einsatzzeiten als erschreckend zu bezeichnen und schlagen sich u.a. auch in den Netzentgelten deutlich nieder (ca. 10 Cent/kWh). Eine sichere Stromversorgung sieht anders aus.

Deutschland hat gegenüber der iberischen Halbinsel bezüglich der Netzstabilität noch geringe Vorteile z.B. durch die Anbindung an das europäische Netz. Diese Kopplung wird sehr exzessiv genutzt, wie die Import/Export-Aktivitäten der letzten Tage zeigen. Die riesigen Leistungsüberschüsse durch Photovoltaik-Anlagen in der Mittagszeit führten am 01. Mai 2025 um 13 Uhr bei geringer Last (56 200 MW) zu einem Leistungsexport von knapp 12 000 MW. Um diesen Export zu realisieren musste aber auch ein Negativstrompreis an der Strombörse von 129,99 €/MWh entsprechend 12,9 Cent/kWh bezahlt werden, damit diese Leistungsspitze vom europäischen Ausland übernommen wurde. Während der Stromimportzeiten in den Abend- und Nachtstunden wurden in der Spitze 13 GW Leistung angefordert,die zu Höchstwerten an der Strombörse von 176,43 €/MWh am 30.04.2025 und 164,38 €/MWh am 01.05.2025 jeweils um 20 Uhr führten (Strompreis: schwarze Linie).

Die gewaltigen Leistungssprünge der Photovoltaik zwischen Null in der Nacht und knapp 50 000 MW um die Mittagszeit mit ebenfalls stark schwankendem Leistungsangebot der 30 000 Windenergie-Anlagen (Minimalleistung am 01.05.2025 um 13 Uhr: < 800 MW bei 73 851 MW installierter Nennleistung) stellen die Versorgungssicherheit in Deutschland bei weiter abnehmender Anzahl konventioneller Anlagen zunehmend in Frage. Inzwischen ist in Deutschland ein Punkt erreicht, der nicht mehr weit von der Ausgangslage für die Netzabschaltungen in Spanien entfernt ist. Das von Robert Habeck geführte Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz plante mit Nennleistungs-Ausbauzielen für Windenergie-Anlagen von 145 000 MW (aktuell 73 850 MW) und für Photovoltaik-Anlagen von 200 000 MW (aktuell 104 122 MW). In dem nachstehenden Diagramm ist die tatsächliche Leistungseinspeisung im April 2025 hochskaliert auf die Planungszahlen für 2030.bKlar erkennbar sind die riesigen Leistungsspitzen in der Mittagszeit, die die tatsächlich gebrauchte Leistung (braune Flächen) bei weitem übertreffen. Umgekehrt müsste selbst bei diesen völlig unrealistischen Planzahlen trotzdem ein regelbarer konventioneller Backup-Kraft-
werkspark weiter vorgehalten werden. Nicht umsonst liegen in Deutschland die höchsten Strompreise vor. Durch Backup-Kraftwerke (doppelter Kraftwerkspark), Netzausbau auf allen Spannungsebenen, Speicher und zukünftig noch angedachter Wasserstoffkreislauf wird die Stromversorgung in Deutschland bei hohem Anteil an Importstrom immer ineffektiver und anfälliger bei weiter steigenden Strompreisen.

Im Link findet sich der Bericht Versorgungssicherheit Strom der Bundesnetzagentur. Was wird die neue Bundesregierung tun? Das wird die spannende Frage der nächsten Monate.

Wir bleiben dran bis zum nächsten Mal
Ihr L.K.