Die Akzeptanz der Energiewende ist nur noch dort vorhanden,
wo das Wissen um ihre Auswirkungen fehlt!

20.11.2017 SWR2 Wissen „Vorbild Rhein-Hunsrück, ein Landkreis verzaubert die Energiewelt“

In der Radiosendung SWR2 Wissen am 9.Nov. 2017 wurden Behauptungen aufgestellt, die die Realität auf den Kopf stellen.
So wurde behauptet, der Rhein-Hunsrück-Kreis habe die Energiewende schon geschafft, wird 2018 der erste bilanzielle Null-Emissionskreis und leuchtendes Vorbild für viele Länder dieser Welt. Diesen Behauptungen hat das Bündnis im nachstehenden offenen Brief widersprochen.
Sendung zum Nachhören

Offener Brief         20. Nov. 2017 

Rundfunkbeitrag im SWR 2 vom 9. November 2017, 08:30 Uhr: 
„Vorbild Rhein-Hunsrück, ein Landkreis verzaubert die Energiewelt“.Sehr geehrter Herr Boudgoust,

um es vorwegzunehmen: Der vorstehend genannte Rundfunkbeitrag des Journalisten Richard Fuchs entbehrt jeder Sachlichkeit, Wahrheit, Objektivität sowie journalistischer Verantwortung. Er stellt die Wahrheit in einer verklärenden Weise gänzlich auf den Kopf. Seine Aussage lautet: „In knapp 20 Jahren wurde hier die Energiewende umgesetzt. Zu weit mehr als 100 Prozent.“ Dies ist völlig falsch! Denn die Energiewende umfasst den gesamten energetischen Bereich aus Strom, Wärme, Verkehr und Industrie. Von diesen 100 Prozent Energieverbrauch beträgt der Stromverbrauch, auf den sich Herr Fuchs bezieht, aber lediglich rund 20 Prozent.

Reduzierte man seine Aussage nur auf die Stromerzeugung, so wäre sie bilanziell betrachtet zunächst richtig. Doch hier sollte sich Herr Fuchs unbedingt mit dem Begriff „bilanziell“ auseinandersetzen.
Beispiel: Auch die fünffach über den Bedarf hinaus gewonnene Strommenge wird dazu führen, dass über Stunden/Tage kein Strom zur Verfügung steht. Grund dafür ist die extreme Volatilität von Wind- und Solaranlagen. Wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint, gibt es keinen Strom, solange keine Speichertechnologie zur Verfügung steht, die den überschüssigen Strom speichern könnte. Aber von einer solchen großtechnologischen Entwicklung sind wir noch sehr weit entfernt.

Trotz der zeitweisen Überversorgung durch die sogenannten „erneuerbaren Energien“ sind wir doch gezwungen, den gesamten konventionellen Kraftwerkspark vorzuhalten. Das bedeutet, wir haben die Energiewende nicht geschafft - auch im Rhein-Hunsrück nicht!

Weitere Aussage: „Damit beweist der Null-Emissions-Landkreis………“. Wiederum falsch! Der Rhein-Hunsrück-Kreis ist kein Null-Emissions-Landkreis. Er wäre erst dann emissionsfrei, wenn weder Mobilität noch Wärmeerzeugung, Industrie und Stromerzeugung kein CO2  emittieren würden. 
Weitere Aussage: „Das hat den Landkreis zum begehrten Wohn- und Arbeitsort gemacht.“ Falsch! Seit vielen Jahren ist ein stetiger Rückgang in der hiesigen Bevölkerungsentwicklung zu verzeichnen, wie ihn sämtliche aktuellen Demografie-Berichte nachweisen. 
Vom „begehrten Wohnort“ im Rhein-Hunsrück-Kreis zu sprechen, ist eine geradezu zynische Behaup¬tung angesichts der hierzulande überall beklagten negativen Auswirkungen der hunderte Windindu¬strieanlagen auf Menschen, Tiere, Umwelt und das Landschaftsbild. Bezüglich der Landschaftsästhe¬tik empfehlen wir die Lektüre der Masterarbeit von Herrn Lubomierski, der die Auswirkungen des Windkaftausbaus auf unsere Landschaft wissenschaftlich untersucht hat ( www.energie-mensch-natur.de/informationen/download?download=6:masterarbeit.pdf ), desgleichen auch das Buch von Georg Etscheid mit dem wahrhaft zutreffenden Titel „Geopferte  Landschaften“.

Im Hunsrück wurde eine vormals liebenswerte Landschaft einem technischen Irrweg geopfert, mit riesenhaften Windradtürmen überformt und so in eine Industrieregion umgewandelt. Zahllose Besucher unserer Region sind entsetzt über diese Landschaftszerstörung.

In einer dreisten Art werden im Beitragsformat O-Töne der Besucher eingesetzt, z.B. des Ghanesen, der beim Ausblick vom Hochsteinchen auf die 5 gigantischen Windräder begeistert „wonderful“ ausruft. Da gibt es aber nichts Wundervolles mehr zu bewundern, wenn wertvolle Wälder geopfert und ungezählte Tiere im Soonwald ihres angestammten natürlichen Lebensraums beraubt wurden!  Und dies alles für eine gescheiterte Technik, die weder das erklärte Ziel der Co2-Minderung noch dasjenige der Klimarettung geschafft hat.

Dringend sollte sich Herr Fuchs mit den Ergebnissen wissenschaftlich anerkannter Gremien ausein-andersetzen, die seit Langem vehement, doch bisher leider vergeblich, eine Kurskorrektur fordern.
Diese sind u.a.: der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die Monopolkommission, die Expertenkommission Forschung und Entwicklung des Bundestags sowie nicht zuletzt der Bundesrechnungshof. Auch die von der Bundesregierung selbst eingesetzte Monito¬ring-Kommission kam zu erschütternden Ergebnissen.

Eine sach- und fachgerechte Beurteilung der Energiewende lesen Sie bitte in den beigefügten Broschüren nach.
Abschließend stellen wir fest: Dieser SWR-Beitrag ist an einseitigen und falschen Aussagen sowie an eklatantem Unwissen nicht zu überbieten.

Unglaublich, dass ein Journalist wie Herr Fuchs, der sich angeblich auf Fragen von Energie-, Umwelt- und Klimapolitik spezialisiert hat, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Zuhörerschar aus unserer Sicht belügt. Für uns gibt es hierzu nur eine Vermutung: Wenn Herr Fuchs tatsächlich den techni-schen Background dieses komplexen Themas kennt und dennoch einseitig und falsch berichtet, so erhärtet sich für uns der Verdacht, er arbeite für die Windindustrie.

Sehr geehrter Herr Boudgoust, ein Beitrag mit derart vielen Falschaussagen darf keinesfalls im Themenblock Wissen eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks verbreitet werden.
Hier ist unseres Erachtens dringend eine Richtigstellung erforderlich.

Mit besorgten Grüßen

Wolfgang Piroth
und der Vorstand des Bündnisses Energiewende für Mensch und Natur e.V.

 

Bündnis Energiewende für Mensch & Natur

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